Wie genau sieht ein flüssiger Klostein aus?
Wie du mir, so ich dir. Kennt man. Reziproker Altruismus. Kennt man eher nicht. Ist aber so ziemlich das Gleiche. Ich erwische mich häufig mit einem unguten Gefühl im Bauch, wenn ich ein Fachbuch verleihe, oder meine IT-Zeitschrift auf dem Klo meiner WG liegen lasse. Gefühl im Bauch -> Klo. Denn der Egoist in mir sagt: “Warum sollen denn andere von dem partizipieren, was du weißt. Sollen sie sich die Sachen doch selbst kaufen”.
Falsch. Denn in dem ich die Sachen verleihe (retweete, teile etc.) entsteht im besten Fall neues Wissen (im Austauch mit anderen) oder gefestigtes Wissen (wenn ich es erklären soll). Darüber hinaus bekomme ich wiederum Sachen ausgeliehen (retweetet, geteilt etc.), die ich vorher nicht kannte. Informationsegoismus ist quasi aus Sicht der individuellen und auch der kollektiven Rationalität ungünstig.
Und wieder eine ungeplante Kuriosität. Beim Jammen in Stefan’s Wohnung spielte ich eine uralte Idee auf meiner Gitarre, um zu schauen, ob die gerade gestimmte Gitarre auch tut, was sie soll. Nach der ersten Strophe kam die Frage: “hast du dazu auch eine Gesangsmelodie”. Klar. Eine halbe Stunde später waren Gitarre und Stimme im sprichwörtlichen Kasten. Es folgten ein paar Tage Inspiration und ein paar Nächte Umsetzung. Herausgekommen ist “Out Of Mind”, herausbringen wird es Zweisam Records aus Berlin in diesem Sommer. What are the odds.
Da singt man seine Gedanken in sein Handy und begleitet sich selbst und die seltsam anmutende Situation mit einer Gitarre. Damit man das Ganze nicht vergisst, und vielleicht der Welt zeigen möchte, dass man, naja, eben in sein Handy singen kann, läd man den Erguss auf soundcloud hoch. Es dauert nicht lange und jemand kommentiert meine in Noten verpackte Erinnerungen.
Nach kurzem hin und her soll von meiner Couch-Session ein Remix gemacht werden, einfach so. Ich soll nur die Vocal- und Gitarrenspuren weiterschicken. Tja, so fortschrittlich ist mein Handy dann doch nicht. Also ab zusammen ins Studio und alles nochmal aufnehmen. Zwei Wochen später ist der Track fertig, vier Wochen später tanze ich zu eben jenem in Schwerin bei einer Labelnight und momentan liegt das gesamte Album zum Mastern bereit, da es sich auf einer Doppel-Vinyl wiederfinden wird. So schnell kann’s gehen. Das Ziel nicht vor Augen und trotzdem gemacht. Sollte ich vielleicht öfter probieren.
Warum hält Donald Duck seinen Unterleib beschämt bedeckt, wenn man ihm die Jacke wegnimmt, obwohl er doch nie eine Hose trägt?
Laut Medienberichten (siehe hier) baut die Bundesagentur für Arbeit (BA) in den nächsten vier Jahren bis zu 17.000 Stellen ab. Gründe dafür sind die gute konjunkturelle Lage und die stetig sinkende Arbeitslosigkeit. Gibt es also ein Konjunkturelastizität der Nachfrage? Als Beispiel: Wenn man die Nachfrage als unabhängige Variable betrachtet, so gibt die Einkommenselastizität der Nachfrage an, wie stark die Nachfrage nach einem Gut auf Veränderungen des Einkommens reagieren. Auf den aktuellen Fall projiziert hieße eine Konjunkturelastizität der Nachfrage, wie stark die Nachfrage nach Arbeit auf Veränderung der Konjunktur reagiert. Denn die BA schafft Arbeitslose, da es zu wenig Arbeitslose gibt. Das klingt alles sehr verwirrend, doch ist es argumentativ wasserdicht. Frei nach dem Motto: Je mehr Käse, desto mehr Löcher. Je mehr Löcher, desto weniger Käse. Ergo, je mehr Käse, desto weniger Käse.
Wird das Internet leichter, wenn man etwas runterlädt?
Das Jahr begann in Hamburg mit einem brennenden Stück Papier auf dem meine Vorsätze in krakliger Schrift das Zeitliche segneten. Für einen kurzen Augenblick dachte ich wirklich, das hilft. Pustekuchen. 20elf stellte sich als Explorationsjahr heraus. Das ständige Gefühl der Veränderung ist bis jetzt die einzige Konstante. Momentan bin ich geschäftsführender Gesellschafter einer Werbeagentur, Unternehmensberater, Student, Gitarrist meiner ersten Band, Shouter meiner dritten Band, Schurke/Krieger in einem MMORPG und Bro. Das Business Punk Credo Work Hard, Play Hard bestimmt meinen Alltag. Ja nichts verpassen, alles mitnehmen, denn bald ist es zu spät. Ehrlich gesagt, warte ich auf den Tag, an dem mir das alles zu viel wird, ich mich für eine Sache entscheide, die mich beruflich ausfüllt und neu beginne. Doch um dort anzukommen, muss ich so weiterleben, wie bisher. Catch 22.
Die ersten 25 Jahre meines Lebens waren durchaus spannend und aufregend. Das sollen sie ja auch, denn die nächsten 25 Jahre werden anstrengend. Die letzten 25 Jahre sollten ähnlich den Ersten ausklingen. So zumindest mein Plan. Doch in der Theorie, sind Theorie und Praxis das Gleiche.
Macht man im Winter das Fenster auf beim Schlafen?
Die ewige Suche nach der Bestimmung nervt. Mich zumindest. Manchmal mehr, manchmal weniger. Ständig werden Worthülsen geformt, die einem zeigen sollen, wie es geht. Was denn? Wie was geht? Mich beschleicht immer öfter das Gefühl nichts zu können. Also nichts wirklich richtig. Wissen ist Macht. Wissen heißt, zu wissen, wo es steht. Wir optimieren. Wir verschlanken. Wir machen Dinge transparenter. Wir kommunizieren intensiver. Worüber?
Ich glaube die Fragerei hört beim Handwerk auf. “Was machst’n Du so? Ich bin KFZ-Mechaniker. Ah cool.” Ende der Geschichte. Eine Unternehmensweisheit lautet: Finde jemand mit einem Problem und löse es. Dieser jemand wird zu Deinem Kunden. Doch hin und wieder habe ich den Eindruck, dass wir lediglich ein Werkzeug besitzen, um Probleme zu lösen. Unser gefährliches Halbwissen. Deshalb sollten künftig bitte alle Probleme kein Handwerk voraussetzen. Denn das beherrschen wir nicht. Ich für meinen Teil zumindest nicht. Noch nicht.
Doch nachdem ich die Gedanken in meinem Kopf geordnet habe, überzeuge ich mich gelegentlich damit, dass diejenigen, die die Probleme haben, oft auch keine Handwerker sind. Folglich reicht es zu wissen, wo es steht. Die Gewichte für die Wasserwaage muss dementsprechend jemand anderes holen. Jemand, den wir optimieren können, um Transparenz zu schaffen, für Sachen, die wir nicht verstehen.
Wenn Dein einziges Werkzeug ein Hammer ist, müssen alle Deine Probleme Nägel sein. Ich freu mich darauf.
Gibt es einen Schaffner auf dem Busbahnhof?
Stell Dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin. Stell Dir vor, alle Welt kennt Twitter, doch keiner twittert. Studien haben gezeigt, dass in den USA 87% der Bevölkerung etwas mit dem Begriff “Twitter” anfangen können. Jedoch nur 7% davon nutzen Twitter. Von diesen 7% sind es wiederum nur 47%, die selbst Tweets versenden oder retweeten und somit zum eigentlichen Content beitragen. (Quelle: http://bit.ly/ch1i5m)
Als ich diese Zahlen laß, erinnerte ich mich an einen Vortrag bzgl. Hedonismus und Rational Choice Theorien im Kontext von Peer-to-Peer-Netzwerken. Der Anlass für diesen Vortrag war damals mit praktischen Beispielen die Reziprozität beim Tausch zu erklären. Grundprinzip hier: Wie Du mir, so ich Dir. Im Rahmen der Rational Choice Theorie wird aber der Ansatz verfolgt: Individuen sind rationale Akteure, die zwischen ihnen zur Verfügung stehenden und von ihnen wahrgenommenen Handlungsalternativen diejenige auswählen, die mit dem höchsten subjektiv erwarteten Nutzen verknüpft ist. Diesen Homo Oeconomicus der Neoklassik gibt es natürlich nicht wirklich. Doch für die hier zu erklärende Perspektive ist er ganz nützlich.
Worauf ich mit den ganzen Begrifflichkeiten eigentlich hinaus will, ist die Frage: Stirbt das Kollektivgut Twitter am Trittbrettfahrerproblem? Ein Kollektivgut wächst mit den Beiträgen seiner Nutzer. Im hiervorliegenden Fall also der Interaktion in Form von Tweets und Retweets. Nun ist aus individueller Rationalität der einfachste Weg aber der, sich nicht aktiv daran zu beteiligen und den Anderen das “twittern” zu überlassen. Hedonismus macht auch vor dem Internet nicht halt, sodass eine gewisse Menge an Content so oder so produziert wird. Sollte sich nun aber der Trend fortsetzten, dass immmer weniger Menschen aktiv den Informationsfluss bereichern, könnte der Anreiz für diejenigen schwinden, die Informationen für das Kollektiv bereitstellen. Das Verhältnis von aktiven und passiven Twitter-Nutzern kippt. Die Menge an Content verringert sich.
Ähnlich wie Let’sbuyit.com könnte auch Twitter an grundlegenden volkswirtschaftlichen Gegebenheiten perspektivisch kränkeln, so man nicht rechtzeitig interveniert. Diese These gilt es aber wie immer zu diskutieren und nicht für gegeben hinzunehmen. Principiis obsta!
Wer sagt älteren Damen, dass weißes Haar lilagefärbt besser aussieht?
Alle Gedanken auf eine Thematik richten. Einen Sachverhalten von der Hypothese bis zur kritischen Bewertung be- und verarbeiten. Warum fällt mir das so schwer? Oder ist das vielleicht nur die allgemeine logische Konsequenz aus polyphonen Klingeltönen, penetranten IM-Sounds, dem Facebook-Klopfen oder ganz banalen Kirchenglocken?
Die Frage die sich nun stellt: Was ist hier Grund und was ist Ursache? Nehme ich die sms als Störung oder Erlösung war? Inwiefern ist fehlende Konzentration und Alibiarbeit (Schreibtisch aufräumen) ein inhärenter Mangel an Selbstdisziplin. Treibende Motivation in solchen Situationen sollte die Konsequenz des Misserfolges sein. Dieser wird jedoch kühn eingeplant und alternativenreich Teil der konsequent verstreichenden Zeit.
Ähnlich dem Cocktail-Party-Phänomen können wir hören ohne hinzuhören. Selbst das Geräusch des Vibrationsalarms übertönt zumal den Fluglärm. Alles eine Frage der Priorität. Die simple Antwort auf, und zugleich Lösung des Problems ist OFF. Doch wer will kann das schon?
Aus welchem Material ist eigentlich eine Holz-Eisenbahn?
Eine der Fragen, die sicherlich jeder hin und wieder am Montag gestellt bekommt ist: “Wie war denn dein Wochenende?” Jetzt kommt es darauf an, was man für ein Typ ist. Entweder man erzählt nur die oberflächlich spannenden und aufregenden Geschichten, die man auch auf Facebook posten würde. Oder man gibt Preis, dass eigentlich alles, was man am Wochenende gemacht hat nur Ablenkung vor, Katalysator für oder Mittel zum Zweck auf Grund individueller Unbehaglichkeit ist.
Jetzt könnte man natürlich intervenieren und sagen: “Naja das kommt ja ganz darauf an, wie nah einem die Person steht, die das fragt.” Gegenfrage. Tut es das? Geht man mit Gefühlen noch offen um oder ist das - was denkt der Andere über mich - zum KO-Kriterium für emotionale Gespräche und das Alter Ego geworden?
Vielleicht reicht es ja auch als KobeBryant107 ein “Daumen hoch Post” unter einem emotionalem Song auf YouTube abzugeben. Habe Herzklopfen als Kommentar erntet dann eventuell ein @KobeBryant107 Ich auch und die Welt ist wieder in Ordnung, denn man fühlt sich verstanden. Nosce te ipsum.
If a robot does the robot, would it still be called the robot or is it just dancing?
Aufgewacht in einem olfaktorischen Potpourri aus Burberry London, Carlsberg Bier, Lucky Strike und Pizza. Markengeruch ist das Stichwort. Und warum? Wir wollen doch was erleben! Genau aus diesem Grund entschließt man sich immer wieder der Vernunft keinen Eintritt mehr in die Abendplanung zu gewähren. Der Türsteher “Entertain” verhält sich da sehr rigoros. Geld spielt keine Rolle. Bis zu dem Punkt an dem man das Portemonnaie im Lichtkegel der Bar öffnet und anfängt das Münzfach mit kurzen Auf- und Abwärtsbewegungen nach höherwertigen Münzen zu durchsuchen.
Die Frage, die sich im nächsten Atemzug stellt, nachdem der Vodka mit samtigen Bouquet lang ersehnte Wärme verteilt hat, ist: Wer feiern kann, der kann auch arbeiten? Die Vernunft schleicht sich am Türsteher vorbei. Die Nacht geht zu Ende. Der nächste Morgen startet vorbildlich im Büro. In time. Die Facebook-Einträge der letzten Nacht dienen als Gedankenstütze, Twitpic als Visualisierung.
Der Alltag beginnt mit dem lang geübten Klick Algorithmus. Von Blogs über Communities bis zum Mailprogramm. Ist man am Ende angekommen, hat sich am Anfang schon wieder etwas getan. Es ist etwas passiert. Menschen wollen sich mitteilen und gleichzeitig unterhalten werden. Konsum Konsens. Alliterationsalarm.